Geführte Meditationen – selbstbestimmt.org

Behutsam sein

Setz dich so hin, dass dein Bauch weich werden darf. Nicht ganz weich vielleicht, aber ein wenig. Es muss nichts geklärt werden, nur weil du still wirst.

Richte deine Aufmerksamkeit zu deinen Händen. Schließ erst die Finger der einen Hand langsam etwas ein, als würdest du etwas Empfindliches schützen. Halt einen Moment inne. Dann öffne sie wieder, vorsichtig, ohne sie ganz auszustrecken. Vielleicht noch einmal. Sammeln. Halten. Lösen. Nicht wegwerfen. Nicht festkrallen. Nur so viel, wie gerade gut ist.

Stell dir vor, vor dir steht eine schlichte Schale auf einem Tisch. Darin liegt ein Stück Stoff, sauber gefaltet. Nicht schön gemacht. Nicht feierlich. Einfach bereit. Neben der Schale fällt ruhiges Licht auf das Holz. Kein Mensch spricht. Kein Urteil ist im Raum. Nur dieser Tisch, diese Schale, dieser leise Ort, an dem man etwas Bedecktes nicht sofort wieder freilegen muss.

Vielleicht gibt es Dinge, die gerade nicht betrachtet werden wollen. Nicht aus Schwäche. Eher wie Haut, die Zeit braucht, weil sie noch dünn ist. Du musst nichts aufmachen, um ehrlich zu sein. Du darfst auch schützen, was noch empfindlich ist.

Vielleicht passt dazu ein schlichter Satz: Nicht alles muss heute berührt werden.

Lass ihn da sein, ohne ihn zu prüfen.

Dann spür wieder deine Hände. Die Fingerkuppen. Den Stoff deiner Kleidung. Vielleicht auch die Luft an den Handrücken. Nimm den Raum um dich herum wieder wahr, wie er gerade ist.

Mehr ist gerade nicht nötig.

Du musst nichts verdrängen. Für diesen Moment genügt es, behutsam zu sein.
Selbstfürsorge Vermeidung Grenze