Der Raum zwischen den Gedanken

Setz dich an einen Ort, an dem nichts von dir will. Lass den Blick weich werden oder schließ die Augen, wenn dir das lieber ist. Für einen Moment musst du nichts ordnen.

Richte deine Aufmerksamkeit zur Stirn. Vielleicht liegt dort noch etwas Enge vom Denken, vom Schauen, vom inneren Weitergehen. Zieh die Stirn ganz leicht zusammen, nur für einen Augenblick. Spür die kleine Spannung. Dann lass wieder los. Als würde sich eine schmale Falte glätten, nicht weil sie verschwinden muss, sondern weil sie ruhen darf.

Stell dir vor, du sitzt an einem Fenster in einem stillen Raum. Draußen zieht langsames Licht über eine helle Wand. Ab und zu fällt ein Schatten darüber, schmal und vorübergehend, wie ein Ast im Wind. Er bleibt nicht. Er streift nur vorbei. Und zwischen diesen Bewegungen liegt immer wieder die Wand selbst. Still. Offen. Unaufgeregt da.

Du musst den Schatten nicht anhalten. Du musst ihn nicht deuten. Vielleicht genügt es, zu bemerken, dass dazwischen etwas frei bleibt. Ein heller Abschnitt. Ein Zwischenraum, in dem nichts erklärt werden muss.

Vielleicht kommt dafür ein einfacher Satz: Nicht alles muss weitergedacht werden.

Lass ihn nur da sein, ohne ihn festzuhalten.

Dann spür noch einmal dein Gesicht. Die Haut an der Stirn. Den Kiefer. Deinen Atem, wie er von selbst ein- und ausgeht. Den Raum um dich. Vielleicht auch ein fernes Geräusch, das nichts von dir verlangt.

Mehr ist gerade nicht nötig.

Nimm nur die kleine freie Stelle mit, falls sie mitkommen will.
Gedanken Ruhe Gegenwart Wahrnehmung