An der Schwelle

Bleib für einen Moment einfach dort, wo du gerade bist. Du musst dich nicht eigens sammeln. Es genügt, wenn du spürst, wie dein Körper den Platz einnimmt, auf dem er gerade ruht.

Richte deine Aufmerksamkeit zu deinem Kiefer. Nicht, um etwas zu korrigieren. Nur, um zu merken, ob dort noch ein Rest von Halten sitzt. Press die Zähne für einen kurzen Augenblick ganz leicht aufeinander. Nur so weit, dass du die Spannung bemerken kannst. Dann lass wieder los. Vielleicht so, als würde innen eine kleine Tür aufgehen. Noch einmal. Sammeln. Lösen. Mehr braucht es nicht.

Stell dir vor, vor dir liegt eine schmale Schwelle zwischen zwei Räumen. Hinter dir der eine, in dem Stimmen, Gedanken und kleine Pflichten noch nachklingen. Vor dir ein anderer, heller und stiller, mit einem offenen Fenster und einem langen Vorhang, der sich nur wenig bewegt. Du musst nichts mitnehmen, um hinüberzugehen. Und du musst auch nichts zurücklassen, um es zu dürfen.

Vielleicht bleibst du einfach einen Moment auf dieser Schwelle stehen. Nicht aus Unsicherheit. Eher, weil man an solchen Stellen spürt, dass nicht alles sofort entschieden werden muss. Dass auch ein Dazwischen ein richtiger Ort sein kann.

Vielleicht kommt dazu ein leiser Satz: Ich darf noch einen Augenblick hier sein.

Dann spür wieder deinen Mundraum. Die Zunge. Den Kiefer. Den Atem, wie er von selbst kommt und geht. Nimm auch den Raum um dich herum wieder wahr, ohne ihn enger zu machen.

Mehr ist gerade nicht nötig.

Du musst dich nicht festlegen. Für diesen Moment genügt die Schwelle.
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